Boeing oder Airbus - In welchem Flugzeug ist es bequemer
Die meisten Passagiere erfahren den Flugzeugtyp zufällig – vom Boarding-Pass oder per Durchsage. Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Auf Langstrecken spürt man den Unterschied zwischen den Modellen direkt am eigenen Körper: Kopfschmerzen nach der Landung, trockene Kehle, dröhnende Ohren.
Boeing oder Airbus – was wirklich anders ist
Zwei Unternehmen teilen sich fast den gesamten Weltmarkt für Verkehrsflugzeuge: Boeing (USA) und Airbus (europäisches Konsortium, Hauptsitz in Toulouse). Auf ihren Maschinen werden mehr als 95 % aller Linienflüge abgewickelt. Embraer, Bombardier und Comac bedienen die Regionalluftfahrt.
Für Passagiere ist der Unterschied zwischen Boeing und Airbus weniger entscheidend, als man denkt. Das konkrete Modell und sein Alter zählen mehr als die Herstellermarke.
| Merkmal | Boeing | Airbus |
|---|---|---|
| Rumpfbreite (Schmalrumpf) | 737: 3,53 m | A320: 3,95 m |
| Sitzkonfiguration (Economy, Schmalrumpf) | 737: 3-3 | A320: 3-3, aber etwas breiter |
| Steuerung | Steuerhorn | Seitlicher Steuerknüppel (Sidestick) |
| Raumgefühl am Fensterplatz | Etwas enger | Etwas geräumiger |
Der A320 ist 40 cm breiter als die 737. Der Fensterplatz wirkt weniger beengt, das Gepäckfach fasst etwas mehr. Der Unterschied ist spürbar, aber kein Grund, einen Flug abzulehnen.
Schmalrumpfflugzeuge – Kurz- und Mittelstrecke
Schmalrumpf bedeutet: ein Gang, Sitzkonfiguration 3-3. Auf diesen Maschinen werden die meisten Inlandsflüge und Regionalverbindungen bis etwa 5-6 Stunden Flugzeit abgewickelt.
Die Typen, denen du am häufigsten begegnest:
- Boeing 737 – das meistgebaute Verkehrsflugzeug der Luftfahrtgeschichte, über 10.000 Exemplare im Einsatz. Wichtigste Versionen: 737-800 (am weitesten verbreitet) und 737 MAX (neuer, rund 14 % sparsamer). Nach zwei Abstürzen 2018 und 2019 stand der MAX fast zwei Jahre am Boden und kehrte nach der Überarbeitung des MCAS-Systems in den Betrieb zurück.
- Airbus A320 / A321 – der direkte Konkurrent zur 737. Der A321 ist länger und fliegt auf manchen Routen bis zu 7-8 Stunden – JetBlue setzt den A321XLR auf Transatlantikstrecken ein.
- Airbus A220 – früher als Bombardier C Series bekannt. Konfiguration 2-3 statt 3-3, Sitzbreite 47,2 cm (18,6 Zoll) – die breitesten Economy-Sitze aller Schmalrumpfflieger. Die Fenster sind größer als bei jedem Boeing oder Airbus dieser Klasse.
Nach der Wiederzulassung 2020-2021 durchlief das Flugzeug eine neue Zertifizierung durch die FAA, EASA und weitere Behörden. Wer wissen möchte, ob er auf einem MAX fliegt, sucht beim Buchungsvorgang nach der Bezeichnung „7M8″ oder „7M9″ beim Flugzeugtyp.
Großraumflugzeuge – die Langstrecke
Zwei Gänge, Konfigurationen 2-4-2, 3-3-3 oder 3-4-3 – je nach Modell und Bestuhlung der Airline. Auf langen Flügen spürt man die Unterschiede zwischen den Typen am deutlichsten.
Boeing 777
Die Boeing 777 wird seit 1994 gebaut, die aktuellste Version 777X befindet sich noch in der Zertifizierung. Ursprünglich war die 777 für neun Sitze pro Reihe ausgelegt (3-3-3, Sitzbreite 45-47 cm). Heute haben die meisten Airlines auf zehn Sitze pro Reihe verdichtet (3-4-3) – damit sinkt die Sitzbreite auf 43 cm.
Im 3-4-3-Layout fliegen Emirates, Cathay Pacific und Qatar Airways auf neuen 777-300ER. Das 3-3-3-Layout halten Singapore Airlines, Japan Airlines, Korean Air und EVA Air auf Teilen ihrer Flotte.
Beim Kauf eines 777-Tickets lohnt es sich, die Bestuhlung des konkreten Fluges zu prüfen – der Unterschied zwischen 43 und 47 cm macht sich auf einem 12-Stunden-Flug bemerkbar.
Boeing 787 Dreamliner
Der 787 hat einen Rumpf aus Kohlefaserverbundstoff statt Aluminium. Das ermöglicht einen höheren Kabinendruck – entspricht einer Höhe von 1.800 m ü. NN statt 2.400 m ü. NN – und eine höhere Luftfeuchtigkeit von 15-16 % statt 4-5 %. Auf einem 10- bis 12-stündigen Flug ist das spürbar: weniger Kopfschmerzen, die Kehle trocknet langsamer aus. Die Fenster sind größer als bei der Vorgängergeneration (47 × 28 cm statt 33 × 24 cm) und lassen sich per Knopfdruck abdunkeln – keine Rollläden mehr.
Airbus A350
Der direkte Konkurrent zum Dreamliner, seit 2014 im Einsatz. Ebenfalls Kohlefaserrumpf, ähnlicher Kabinendruck und ähnliche Luftfeuchtigkeit. Konfiguration in der Economy meist 3-3-3, der Rumpf ist etwas breiter als beim 787, die Sitze damit minimal geräumiger. Singapore Airlines fliegt den A350 auf der längsten Nonstopverbindung der Welt – Singapur – New York, rund 19 Stunden.
Airbus A380
Der Doppeldecker-Riese, 525 bis 853 Passagiere. Die Produktion wurde 2021 eingestellt, aber mehrere Hundert Maschinen fliegen noch bei Emirates, Singapore Airlines, Qantas und British Airways. Der A380 gehört zu den leisesten Passagierflugzeugen überhaupt – vier Triebwerke bedeuten weniger Vibration pro Aggregat, dazu kommt eine dicke Schalldämmung und der große Abstand der Passagiere zu den Triebwerken.
Das Oberdeck ist ruhiger als das Hauptdeck – weniger Fahrwerkslärm.
Das Alter der Maschine zählt mehr als die Marke
Ein Flugzeug Baujahr 2005 und dasselbe Modell Baujahr 2022 sind zwei verschiedene Erfahrungen – beim Lärmpegel, dem Zustand der Sitze und der Qualität des IFE-Systems (Bordunterhaltung).
Das durchschnittliche Flottenalter variiert bei großen Airlines zwischen 6 Jahren (Wizz Air, IndiGo – beide erneuern aggressiv) und 14-16 Jahren bei manchen staatlichen Carriern. Das Alter der konkreten Maschine steht in den Buchungsdetails normalerweise nicht.
Bei der Flugsuche auf Know.Travel ist der Flugzeugtyp schon in der Suchphase in den Flugdetails sichtbar – klick auf den Flug und klapp die Details auf. Auf der Website der Airline selbst steht der Flugzeugtyp im Schritt der Sitzauswahl.
Was der Flugzeugtyp bei der Sitzwahl bedeutet
Triebwerksposition und Lärm
Bei Schmalrumpfflugzeugen (737, A320) sitzen die Triebwerke unter den Tragflächen. Das Tragwerk liegt meist bei Reihe 11-14. Die Reihen 14 bis 20 sind die lauteste Zone. Das Heck ist ruhiger als das Tragflächenbereich, die Nase am ruhigsten – aber dort sitzt in der Regel die Business Class.
Beim A380 ist der Unterschied zwischen den Decks deutlich: Das Oberdeck ist leiser als das Hauptdeck – weiter weg von Triebwerken und Fahrwerk.
Turbulenzen und Flughöhe
Schwerere Flugzeuge werden bei mäßigen Turbulenzen weniger durchgeschüttelt. Der A380 mit einem Abfluggewicht von 575 Tonnen reagiert auf Turbulenzen spürbar sanfter als eine 737 mit 70-80 Tonnen. Der 787 und der A350 verfügen über aktive Böenunterdrückungssysteme (Gust Suppression), die Stöße mechanisch abfedern.
Sitzbreite
Der Economy-Standard bei Schmalrumpffliegern liegt bei 43-45 cm. Bei Großraummaschinen reicht die Spanne von rund 43 cm beim verdichteten 3-4-3-Layout der 777 bis zu 46-48 cm beim A350 in der 3-3-3-Konfiguration. Die konkreten Maße für deinen Flug findest du bequem auf AeroLOPA – dort gibt es Kabinenpläne mit Sitzbreiten, Sitzabständen und Bildschirmpositionen für jede Airline.
Neue Maschinen vs. alte – konkrete Werte
Regionalflugzeuge – ein eigenes Kapitel
Auf Strecken unter zwei Stunden kann es gut sein, dass du in einem Regionalflugzeug sitzt. Die Sitze sind enger, die Gepäckfächer kleiner. Turbopropmaschinen fliegen tiefer und schütteln stärker als Jets.
- Embraer E170 / E190 / E195 – Konfiguration 2-2, 76 bis 124 Sitze. Die E2-Serie (E190-E2, E195-E2) ist moderner und leiser als die erste Generation.
- Bombardier CRJ-700 / CRJ-900 – Konfiguration 2-2, ein Gang, je zwei Sitze pro Seite. Das klassische Regionalflugzeug in den USA und Kanada. Die Gepäckfächer sind winzig – ein 55-cm-Trolley passt nicht rein. Er wird kostenlos am Flugzeug aufgegeben.
- ATR 42 / ATR 72 – Turbopropmaschine, häufig auf Kurzstrecken in Griechenland, Kroatien, Italien und Südostasien anzutreffen. Konfiguration 2-2, Reiseflughöhe 5.000-7.000 m ü. NN statt der üblichen 10.000-12.000 m ü. NN. Spürbar mehr Rütteln, Reisegeschwindigkeit 450-500 km/h statt 850-900 km/h bei Jets.
Bei CRJ und Q400 (Dash 8) sind die Gepäckfächer so klein, dass nur ein kleiner Rucksack hineinpasst. Ein Standard-Kabinenkoffer (55 × 40 × 20 cm) wird direkt am Flugzeug aufgegeben und im Frachtraum transportiert – kostenlos, aber nicht mehr über deinem Kopf.
Wie du den Flugzeugtyp beim Buchen berücksichtigst
Ein praktisches Vorgehen bei der Buchung von Langstreckenflügen.
- Auf Google Flights schau dir den Flugzeugtyp in den Flugdetails an, bevor du buchst.
- Bei Flügen ab 8 Stunden und mehreren Optionen: Wähle den 787 oder A350 statt einer älteren 777 oder A330 derselben Airline. Keine Sicherheitsfrage, eine Frage des Wohlbefindens nach der Landung.
- Auf der Airline-Website bei der Sitzauswahl den Kabinenplan aufrufen – schauen, welche Reihen neben den Triebwerken liegen, wo kein Fenster ist und wo die Lehne sich nicht zurückstellen lässt.
- Zusätzlich AeroLOPA nach der konkreten Airline und dem Flugzeugtyp durchsuchen – dort sind Steckdosen, Bildschirmpositionen und Sitzbreiten eingezeichnet.
- Nachtflug und du willst schlafen: Fensterplatz weit weg vom Heck wählen (weniger Durchgangsverkehr im Gang) und möglichst eine Maschine der neuen Generation (höhere Luftfeuchtigkeit, angenehmerer Druck).
Auf Kurzstrecken ändert der Flugzeugtyp wenig. Ab 8 Stunden Flugzeit ist er ein genauso sinnvolles Auswahlkriterium wie Preis und Abflugzeit.
Auf Google Flights steht der Flugzeugtyp bereits in der Suchergebnisansicht – einfach auf den Flug klicken und die Details aufklappen. Auf Skyscanner funktioniert das genauso. Auf den Websites der meisten Airlines ist der Typ bei der Sitzauswahl angegeben. Für detailliertere Informationen lohnt sich AeroLOPA – dort gibt es nach Airline und Flugzeugtyp gefilterte Kabinenpläne mit Sitzbreiten und Steckdosenpositionen.
Nach messbaren Werten: ja. Der Kabinendruck entspricht 1.800 m ü. NN statt 2.400 m ü. NN bei älteren Maschinen, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 15-16 % statt 4-5 %. Das bedeutet weniger Halstrockenheit, weniger Kopfschmerzen und einen abgeschwächten Jetlag. Die Fenster sind 65 % größer und lassen sich per Knopfdruck abdunkeln. Der Triebwerkslärm ist 60 % geringer als beim Vorgänger (767). Der Airbus A350 liefert ähnliche Werte. Auf Kurzstrecken bis 4 Stunden fällt der Unterschied kaum auf – er entfaltet sich auf Flügen von 8-14 Stunden.
Nach einem 20-monatigen Flugverbot wurde das Flugzeug umfangreich technisch überarbeitet und erneut von FAA, EASA und weiteren Behörden zertifiziert. Das MCAS-System, das beide Abstürze verursacht hatte, wurde grundlegend neu entwickelt. Der MAX kehrte im November 2020 in den Linienbetrieb zurück. Wer wissen möchte, ob er auf einem MAX fliegt, sucht in den Buchungssystemen nach „7M8″ (737 MAX 8) oder „7M9″ (737 MAX 9).
Möglichst in der Mitte des Flugzeugs, über dem Tragwerk. Das Tragwerk ist der Drehpunkt, die Sitze in dieser Zone (etwa Reihe 10-20 bei Schmalrumpfmaschinen) schwingen am wenigsten. Das Heck schaukelt am stärksten – dort ist die Bewegungsamplitude am größten. Schwerere Großraumflugzeuge (A380, 777) reagieren bei mäßigen Turbulenzen spürbar ruhiger als leichte Schmalrumpfer. Der 787 und der A350 verfügen zusätzlich über aktive Böenunterdrückungssysteme.
Das sind IATA-Codes für Flugzeugmuster. Die wichtigsten: 738 – Boeing 737-800, 7M8 – Boeing 737 MAX 8, 321 – Airbus A321, 32N – A321neo, 789 – Boeing 787-9 Dreamliner, 788 – Boeing 787-8, 77W – Boeing 777-300ER, 359 – Airbus A350-900, 388 – Airbus A380-800, 333 – Airbus A330-300, E90 – Embraer E190. Eine vollständige Übersicht aller Flugzeugtypen mit den Kenndaten jedes Musters gibt es auf know.travel.